Sie verschicken eine wichtige E-Mail an einen Kunden — und bekommen Tage später die Nachfrage, warum Sie sich nicht gemeldet haben. Die Mail ist im Spam-Ordner gelandet. Oder noch schlimmer: Sie wurde vom Empfänger-Server direkt abgelehnt und Sie haben es nicht einmal gemerkt.
Dahinter steckt fast immer dasselbe Problem: Ihre E-Mail-Domain hat nicht die drei DNS-Einträge, die moderne Mail-Server erwarten, bevor sie eine Nachricht als vertrauenswürdig einstufen. Diese drei Einträge heißen SPF, DKIM und DMARC — und sie sind seit 2024 nicht mehr optional, sondern Pflicht. Google und Microsoft verlangen sie inzwischen explizit für Absender, die mehr als 5.000 E-Mails pro Tag verschicken, und behandeln Mails ohne sie zunehmend skeptisch — egal wie viele Nachrichten Sie senden.
Dieser Artikel erklärt, was jeder der drei Einträge tatsächlich tut, warum sie aufeinander aufbauen und wie Sie prüfen, ob Ihre Domain richtig eingerichtet ist.
Was E-Mails überhaupt vertrauenswürdig macht
Das klassische E-Mail-Protokoll SMTP kennt keinen Absender-Schutz. Technisch kann jeder Server behaupten, er verschicke eine Mail „im Namen von ihre-firma.de“. Spammer haben genau das jahrelang ausgenutzt, um Phishing-Mails zu verbreiten. SPF, DKIM und DMARC sind die Antwort darauf: drei unabhängige Mechanismen, die zusammen beweisen, dass eine E-Mail tatsächlich von der Domain stammt, die sie behauptet.
Entscheidend ist: Die drei Einträge werden nicht in Ihrem E-Mail-Programm gesetzt, sondern im DNS Ihrer Domain — also bei dem Anbieter, bei dem Sie Ihre Domain gekauft haben (Strato, IONOS, Hetzner, GoDaddy, Namecheap, Cloudflare und so weiter). Wer dort keine Routine hat, kann die Einrichtung auch im Rahmen einer IT-Unterstützung übernehmen lassen.
SPF: Wer darf in Ihrem Namen E-Mails verschicken?
SPF (Sender Policy Framework) ist eine öffentliche Liste der Server, die berechtigt sind, E-Mails von Ihrer Domain zu versenden. Der Empfänger-Server liest diese Liste und prüft, ob der sendende Server drauf steht. Steht er nicht drauf, ist das ein starkes Spam-Signal.
Ein typischer SPF-Eintrag sieht so aus:
v=spf1 include:_spf.google.com include:amazonses.com ~all
Zerlegt bedeutet das:
v=spf1— es handelt sich um einen SPF-Eintrag der Version 1include:_spf.google.com— Google Workspace darf Mails für diese Domain verschickeninclude:amazonses.com— Amazon SES (zum Beispiel für Transaktions-Mails) darf das auch~all— alle anderen Server sollen als verdächtig eingestuft, aber nicht hart abgelehnt werden.-allwäre strikter, ist aber riskant, solange nicht restlos jede legitime Versandquelle bekannt ist.
Wichtig: Pro Domain darf es nur einen SPF-Eintrag geben. Wer Google Workspace und einen Newsletter-Versender parallel nutzt, muss beide in denselben Eintrag aufnehmen — sonst bricht das Ganze zusammen.
DKIM: Die digitale Unterschrift jeder E-Mail
SPF sagt, wer senden darf. DKIM (DomainKeys Identified Mail) geht einen Schritt weiter: Jede einzelne Mail bekommt eine digitale Signatur, die bestätigt, dass sie unterwegs nicht verändert wurde und tatsächlich von Ihrer Domain stammt. Die Signatur steckt im Mail-Header; der passende öffentliche Schlüssel liegt im DNS.
Ein DKIM-Eintrag sieht typischerweise so aus:
google._domainkey.ihre-firma.de TXT "v=DKIM1; k=rsa; p=MIIBIj..."
Den Schlüssel müssen Sie in aller Regel nicht selbst erzeugen — Ihr E-Mail-Anbieter generiert ihn und gibt Ihnen den DNS-Eintrag, den Sie einfügen. Bei Google Workspace heißt der Selektor google, bei Microsoft 365 selector1 und selector2, bei Mailgun, Sendgrid und anderen sind es jeweils eigene.
DKIM ist deshalb so wichtig, weil eine gültige Signatur auch bei einer Weiterleitung erhalten bleibt — im Gegensatz zu SPF, das bei Weiterleitungen oft bricht. Große Anbieter wie Gmail gewichten eine intakte DKIM-Signatur daher stärker als SPF.
DMARC: Die Strategie, was bei Fehlern passieren soll
SPF und DKIM können scheitern — zum Beispiel, weil jemand tatsächlich versucht, mit Ihrer Domain zu fälschen. DMARC (Domain-based Message Authentication, Reporting & Conformance) ist die Regel, was dann passieren soll. Ohne DMARC entscheidet jeder Empfänger-Server für sich, was er mit verdächtigen Mails tut. Mit DMARC geben Sie die Richtung vor.
Ein minimaler DMARC-Eintrag sieht so aus:
_dmarc.ihre-firma.de TXT "v=DMARC1; p=none; rua=mailto:dmarc@ihre-firma.de"
Die drei wichtigen Richtlinien-Stufen sind:
p=none— „beobachten, aber nichts unternehmen“. Empfohlen für den Start: Sie bekommen Reports, ohne dass echte Mails abgewiesen werden.p=quarantine— verdächtige Mails werden in den Spam-Ordner verschoben.p=reject— verdächtige Mails werden hart abgelehnt. Das ist das Ziel, aber erst, wenn SPF und DKIM wirklich sauber laufen.
Der rua-Eintrag verrät, an welche Adresse aggregierte Reports geschickt werden sollen. Anfangs sind diese Reports etwas unhandlich (XML pro Tag pro Empfänger-Provider), aber sie sind Gold wert: Sie zeigen Ihnen, wer in Ihrem Namen mailt — inklusive blinden Flecken wie vergessenen Newsletter-Tools.
Starten Sie mit
p=none, beobachten Sie die Reports 4–6 Wochen lang, räumen Sie die Funde auf und ziehen Sie die Richtlinie dann aufp=quarantineoderp=rejecthoch.
So prüfen Sie Ihren eigenen Status
Bevor Sie etwas ändern, sollten Sie wissen, wo Sie stehen. Es gibt einen schnellen Weg und einen gründlichen Weg.
Schnell: Schicken Sie eine E-Mail an eine Gmail-Adresse, öffnen Sie die Mail dort, klicken Sie oben rechts auf die drei Punkte und wählen Sie „Original anzeigen“. Gmail zeigt dort klar und deutlich, ob SPF, DKIM und DMARC bestanden haben.
Gründlich: Prüfen Sie die DNS-Einträge mit einem geeigneten DNS-Prüfwerkzeug. Neben SSL und Security-Headern sollten dabei SPF, DKIM und DMARC kontrolliert werden. So sehen Sie, welche Einträge vorhanden, welche fehlen und welche formal ungültig sind.
Zusammenfassung
Die Reihenfolge für ein sauberes E-Mail-Setup ist immer dieselbe:
- SPF setzen: Liste der Server, die für Ihre Domain senden dürfen. Nur ein Eintrag pro Domain, alle Versandquellen einsammeln.
- DKIM aktivieren: Beim E-Mail-Anbieter den Schlüssel generieren lassen und den angegebenen TXT-Eintrag ins DNS setzen.
- DMARC mit
p=noneeinführen: 4–6 Wochen Reports sammeln, Funde aufräumen, dann schrittweise verschärfen.
Danach ist Ihre Domain gegen die gängigsten Spoofing-Angriffe abgesichert und Ihre E-Mails landen dort, wo sie hingehören: im Posteingang.
