„Wir haben Backups.“ Diesen Satz sagen 95 Prozent aller Selbstständigen. Wenn man nachfragt, kommt: „Auf der externen Festplatte“ oder „im OneDrive“ oder „der Hoster macht das“. Wenn der Ernstfall eintritt — Ransomware, Festplatten-Crash, versehentlich gelöschter Ordner — fallen 70 Prozent dieser Backups durch. Sie waren nicht aktuell, nicht zugreifbar, oder gar nicht da, wo man dachte.
Dieser Beitrag erklärt die 3-2-1-Regel — die einzige Backup-Strategie, die im Ernstfall zuverlässig funktioniert — und zeigt, wie sie für kleine Unternehmen praktisch aussieht.
Die 3-2-1-Regel
Die Regel lautet: drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei verschiedenen Medientypen, davon eine Kopie an einem externen Ort.
3 Kopien: das Original plus zwei Backups. Eine Kopie kann immer ausfallen oder beschädigt werden.
2 Medientypen: nicht zwei externe Festplatten desselben Modells. Eine SSD plus eine Cloud, oder eine NAS plus ein Bandlaufwerk. Verschiedene Failure-Modes.
1 extern: eine der Kopien muss räumlich getrennt sein. Brand, Diebstahl oder Wasserschaden zerstören sonst alles auf einmal.
Was die meisten falsch machen
Die häufigsten Probleme bei Backups, die im Ernstfall versagen:
Nur eine Kopie existiert, „irgendwo in der Cloud“. Wenn der Cloud-Account gehackt wird oder der Provider Probleme hat, ist alles weg.
Beide Kopien liegen im selben Raum. Brand oder Diebstahl trifft beide.
Backups werden nie getestet. Niemand weiß, ob sich die Datei wirklich öffnen lässt, bis es zu spät ist.
Die Backup-Festplatte ist permanent angeschlossen. Ransomware verschlüsselt sie genauso wie das Original.
Backups laufen nur monatlich. Wenn der Ausfall am 25. ist, sind bereits zwei Wochen Arbeit verloren.
Praktische Setups
Setup für Selbstständige (ein Rechner, wenig Daten):
Original: Daten auf dem Arbeitsrechner
Kopie 1: tägliche Time-Machine (Mac) oder Datei-Versionsverlauf (Windows) auf USB-Festplatte
Kopie 2: Cloud-Backup auf Backblaze, IDrive oder Wasabi (1–7 € im Monat)
Air-Gap: USB-Festplatte nach jedem Backup abziehen, einmal pro Woche
Setup für 5–10-Personen-Büro:
Original: Daten auf Server / NAS (z. B. Synology)
Kopie 1: Nightly-Snapshot auf zweiten Datenträger im NAS (Btrfs/ZFS)
Kopie 2: Cloud-Backup mit 30+ Tagen Versionshistorie
Air-Gap: Snapshots, die nicht von außen geändert werden können (z. B. Synology Hyper Backup mit Cloud-Ziel)
Setup für Webseite / Online-Shop:
Original: produktive Datenbank und Dateien
Kopie 1: tägliche automatische Hoster-Backups — Managed-Hoster machen das (mehr im Hosting-Beitrag)
Kopie 2: wöchentlich oder monatlich extern auf eigenen Server kopieren
Air-Gap: extern liegende Kopie hat lange Versionshistorie
Restore-Test ist Pflicht
Backup, das nie getestet wurde, ist Schrödingers Backup — vielleicht funktioniert es. Setzen Sie sich einmal pro Quartal hin und testen Sie:
Können Sie eine zufällige Datei aus dem Backup wiederherstellen?
Wie lange dauert der komplette Restore?
Funktionieren die wiederhergestellten Daten — öffnen sich Word-Dokumente, läuft die Datenbank?
Bei 80 Prozent aller Restore-Tests fällt mindestens ein Problem auf. Das ist gut — die anderen 20 Prozent erleben es im Ernstfall.
Ransomware-Spezialfall
Ransomware zielt heute aktiv auf Backups. Sie verschlüsselt nicht nur Ihre Daten, sondern sucht im Netzwerk nach allem, was nach Backup aussieht: NAS, externe Festplatten, manchmal auch Cloud-Speicher mit Versionshistorie.
Schutzmechanismen:
Backups, die nur in eine Richtung funktionieren (Push, kein Mount) — der Backup-Client kann schreiben, aber das Ransomware-Programm hat keinen Zugriff
Versionierte Backups mit „Object Lock“ (Cloud) oder Snapshots (NAS), die sich nicht löschen lassen — auch nicht vom Admin
Air-Gap im wörtlichen Sinn: physisch getrennte Festplatten, die offline sind außer beim Backup-Lauf
Cloud-Backup ist hier oft die einfachste Lösung — Anbieter wie Backblaze B2 oder Wasabi bieten „Immutable Storage“ mit Object Lock, was Ransomware nicht überschreiben kann.
Wenn Sie heute anfangen
Drei Schritte, in dieser Reihenfolge:
Identifizieren, was geschäftlich wirklich wichtig ist. Bei den meisten Selbstständigen sind das Buchhaltung, Kundenliste, Projektdateien, E-Mail-Archiv. Insgesamt selten mehr als 100 GB.
Eine automatische Cloud-Lösung aufsetzen. Backblaze (Personal: 7 € im Monat unbegrenzt) oder iDrive Business funktionieren beide. 30 Minuten Setup, dann läuft es.
Restore-Test alle drei Monate einplanen. Setzen Sie sich einen Kalender-Eintrag.
