Fünf Anzeichen, dass Ihre Webseite schlecht gebaut wurde
Manche Probleme einer Webseite sieht man nur, wenn man weiß, wo zu suchen ist. Diese fünf Indikatoren verraten ohne technisches Vorwissen, ob bei Ihnen Murks abgeliefert wurde.
Manche Probleme einer Webseite sieht man nur, wenn man weiß, wo zu suchen ist. Diese fünf Indikatoren verraten ohne technisches Vorwissen, ob bei Ihnen Murks abgeliefert wurde.
Marcel Pötschke
Freiberuflicher Webentwickler
Eine Webseite zu bewerten, ohne Code zu lesen, ist möglich. Manche Probleme sind so strukturell, dass sie sich an der Oberfläche zeigen — wenn man weiß, wo zu schauen ist. Dieser Beitrag listet fünf Anzeichen, die ohne technisches Vorwissen erkennbar sind. Wenn Sie zwei oder mehr davon bei sich finden, war Ihr Webdesigner entweder überfordert oder hat absichtlich gespart.
Öffnen Sie Ihre Webseite auf dem Handy. Drehen Sie das Display ins Querformat. Klappen Sie das Burger-Menü auf, schließen Sie es wieder. Scrollen Sie durch alle Seiten.
Was Sie nicht sehen sollten:
Mobil-Optimierung war 2015 ein Premium-Feature. 2026 ist es Standard, nicht weil Designer es freiwillig machen, sondern weil Google seit Jahren mobil indexiert und nicht-mobile Seiten in den Rankings benachteiligt. Wenn Ihre Seite mobil bricht, war der Designer entweder vor 2015 ausgebildet — oder hat schlicht nicht ausreichend getestet.
Klicken Sie sich durch alle Hauptseiten Ihrer Webseite. Achten Sie auf:
Ein guter Designer arbeitet mit einem Design-System: festgelegte Größen, Farben, Abstände, die sich überall wiederholen. Eine Webseite ohne System wirkt zusammengeklickt, weil sie es ist — meistens das Resultat, wenn ein Page-Builder genutzt wurde, ohne dass jemand vorher Komponenten definiert hat.
Schauen Sie in der Browser-Adresszeile auf das Schloss-Symbol. Wenn dort ein durchgestrichenes Schloss steht oder eine Warnung „Nicht sicher“ erscheint, ist Ihre Webseite ohne HTTPS oder mit defektem Zertifikat unterwegs. Das ist 2026 unentschuldbar — kostenlose Zertifikate (Let’s Encrypt) sind seit 2016 verfügbar und werden bei jedem ernsthaften Hoster automatisch installiert.
Eine Stufe subtiler: gehen Sie auf securityheaders.com, geben Sie Ihre Domain ein. Wenn Sie eine Bewertung schlechter als B bekommen, fehlen wichtige Header (Strict-Transport-Security, Content-Security-Policy, X-Frame-Options). Das macht Ihre Seite anfälliger für Angriffe wie Clickjacking oder Cross-Site-Scripting — alles, was ein professioneller Designer in fünf Minuten korrekt aufsetzen kann.
Ich schaue mir Ihre Bestandsseite an und sage Ihnen klar: Reparatur oder Neubau? Was kostet was, was bringt was. Keine Verkaufsmasche — eine ehrliche zweite Meinung.
Bei WordPress lässt sich das im Admin-Bereich unter „Plugins“ prüfen. Bei anderen Systemen fragen Sie Ihren Designer.
Eine schlanke kleine Geschäfts-Webseite kommt mit 5–10 Plugins aus: SEO, Caching, Backup, Formular, Cookie-Consent und ein paar Spezialfunktionen. Wenn Sie 25, 35 oder 50 Plugins finden, hat jemand bei jeder Anforderung das nächste Plugin installiert, statt zu prüfen, ob die Anforderung wirklich neu ist.
Konsequenzen:
Plugins sind nicht per se schlecht. Aber Plugin-Wildwuchs ist ein verlässliches Anzeichen für planloses Bauen.
Fragen Sie Ihren Webdesigner: „Wann war das letzte Update? Wie oft werden Backups gemacht? Was kostet Wartung?“
Wenn die Antwort lautet:
— dann ist Ihre Webseite eine tickende Zeitbombe. WordPress-Core, Themes und Plugins haben Sicherheitsupdates, die regelmäßig verteilt werden müssen. Backups beim Hoster sind oft nur 7 Tage rückwirkend — wenn ein Hack 14 Tage unbemerkt läuft, sind alle Backups bereits infiziert (mehr im Backup-Beitrag).
Eine professionelle Webseite hat einen Wartungsvertrag oder eine klare Update-Strategie. Beides muss nicht teuer sein (oft 50–150 € im Monat für eine kleine Seite), aber gar nicht zu existieren ist Fahrlässigkeit.
Erstmal: nicht panisch werden. Eine schlecht gebaute Webseite ist meistens reparierbar, ohne sie komplett neu zu bauen. Die meisten Probleme sind Konfiguration, kein fundamentaler Architektur-Fehler.
Empfohlene Reihenfolge:
Wenn vier oder mehr Punkte zutreffen, ist Neubau fast immer billiger als Reparatur — und schneller, als die akkumulierten Probleme nachträglich heraus zu operieren.